Parallelen???
------------------------------------------------------------------------------
Der
Mord an Uwe Barschel
In seinem Buch "Geheim-akte Mossad" beschreibt
Ex-Agent Ostovsky, warum und wie Uwe Barschel ermordet wurde.
Uwe
Barschel, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, wurde am 10./11. Oktober
1987 vom israelischen Mossad ermordet. Barschel mußte sterben, weil er sich
nicht kaufen ließ und damit drohte, die geheimen Militär-operationen der
Israelis auf deutschem Boden sowie die Waffengeschäfte Israels in Zusammenarbeit
mit dem deutschen Geheimdienst bekannt-zumachen.
Zuerst wurde Barschels Referent
Pfeifer gekauft, der zusammen mit dem Mossad eine billige Verleumdungskampagne
gegen Barschels Herausforderer Björn Engholm in Szene setzte. Die fadenscheinige
Kampagne wurde von den Medien hochgespielt und Barschel in die Schuhe geschoben.
Uwe Barschel mußte zurücktreten, drohte aber, er würde vor dem bereits
angesetzten Untersuchungsausschuß alles sagen, was er wüßte. Während seines
Urlaubs auf den kanarischen Insel wurde Barschel von Mossad-Mann "Ran"
angerufen, der ihm anbot, die Dokumente zu beschaffen, die ihn vor dem
Untersuchungsausschuß rehabilitieren würden. Ran verabredete sich
mit
Barschel im Genfer Hotel Beau-Rivage. Der Mossad-Agent bot Barschel
während
der ersten Unterredung im Hotel erneut
Geld an, wenn er vor dem Untersuchungsausschuß nicht aussagen würde. Uwe Barschel wies dieses
Angebot
entrüstet zurück und drohte wiederum auszupacken. Damit hatte er
sein
eigenes Todesurteil gesprochen. Lesen Sie im folgenden aus Kapitel 25
von
Victor Ostrovsky's Buch "Geheimakte Mossad - Die schmutzigen Geschäfte
des
israelischen Geheimdienstes" (Bertelsmann 1994) warum und wie
Barschel
ermordet wurde. Die Zahlen in Klammern entsprechen den Seitenzahlen
im Buch:
Aus Kapitel 25 (Geheimakte Mossad):
Eine Stunde nach dem Barschel
durch den präparierten Wein in Bewußtlosigkeit fiel, setzte hohes Fieber ein. Er
wurde dann in das Eisbad gelegt. Der Schock rief starke Körperzuckungen hervor.
Der plötzliche Temperaturwechsel im Verein mit der Wirkung der Medikamente
erzeugte so etwas, was wie eine Herzattacke aus-sah. Nach ein paar Minuten
stellte das Mossad-Team fest, daß er wirklich tot
war.
Ich kannte Ran noch von der
Akademie her, ein pausbäckiger Bursche mit braunem Haar und grauen Augen. Seine
Muttersprache war Deutsch, und er hatte sogar die rosigen Wangen und das blasse
Aussehen, das so typisch für die Deutschen ist. Bevor er zum Mossad kam, war er
Verantwortlicher für die El-Al-Sicherheit in Deutschland und Österreich, wo er
mehrere Jahre verbrachte. Die Tatsache, daß er nicht in den Flugzeugen in
direktem Kontakt mit den Passagieren arbeitete, ermöglichte ihm die Arbeit beim
Mossad.
Ich wußte über die
Operation Hannibal durch meinen Job im dänischen Ressort Bescheid. Es war eine
kombinierte Operation (286), bei der die Arbeit der Liaison und
Geheimaktivitäten seitens der Melucha verknüpft waren. Bei der Kooperation waren
drei Länder und ihre jeweiligen Geheimdienste beteiligt. Genauer gesagt, waren
es die Geheimdienste, die kooperierten, und nicht die Länder.
An sich war die Operation Hannibal
ein Waffendeal zwischen Israel und Iran, wobei der deutsche Geheimdienst als
Strohmann diente. Da der Iran dringend Ersatzteile für seine ramponierte
Luftwaffe brauchte und Israel die Teile besaß, vor allem für die »Phantom F-4«,
lag nahe, sie ihm zu verkaufen, zumal die Verlängerung des Iran-Irak-Krieges ein
erklärtes Ziel des Mossad war. Dabei wurde auch nicht vergessen, bei dem Deal
einen finanziellen Gewinn
herauszuschlagen. Da der Iran und sein Ayatollah
Khomeini nicht gerade begeistert waren, direkt mit Israel,
das zu zerstören sie täglich schworen, Geschäfte zu machen, wurden die Deutschen
als Zwischenhändler eingeschaltet. Der BND, der deutsche
Bundesnachrichtendienst, wurde ausgesucht, um den Job zu machen, obwohl der
Mossad die örtlichen Dienststellen des Verfassungsschutzes sowohl in Hamburg als
auch in Kiel auf dem laufenden hielt. Eine Zusammenarbeit dieser Art mit dem BND
war ziemlich neu; normalerweise ließ der Mossad bei seinen Operationen in Deutschland den BND
im dunkeln.
Im Mossad wurde der BND als unzuverlässig angesehen, weil
der Mossad sicher war, daß die Stasi ihn stark infiltriert hatte. Außerdem stand
er Helmut Kohl sehr nahe, der kein besonderer Freund des Mossad war. Bei der
Operation Hannibal jedoch gab es einen Verbindungsmann für den BND, der
rekrutiert worden war und der nebenbei noch schmutzige Geschäfte über den
Ex-Mossad-Offizier Mike
Harari mit dem Staatschef von Panama, General Manuel Noriega, machte.
Bei dieser Operation wurden die
Flugzeugteile (von Elektronikteilen für den Bordradar bis hin zu kompletten
Motoren und zerlegten Flügeln) über Land transportiert, damit sie auch wirklich
den Bestimmungsort erreichten beziehungsweise um die Herkunftsquelle zu
verschleiern, falls sie vor der Auslieferung abgefangen wurden.
Zuerst wurden die Teile im Hafen
von Ashdod in speziellen Containern auf israelische Schiffe verladen. Die
Container waren so konstruiert, daß sie direkt vom Schiff auf die wartenden LKWs
(287) gehoben werden konnten und Teil des LKW wurden. Die Schiffe liefen
verschiedene italienische Häfen an, wo der italienische Geheimdienst (SISMI)
alle notwendigen Papiere beschaffte, die bezeugten, daß es sich um italienische
Agrarprodukte handelte, die für Deutschland bestimmt waren. Zu diesem Zweck
wurden auch die LKWs mit Werbetafeln italienischer Produkte versehen. Die Leute
für diese Operation und die Fahrer wurden von den italienischen Verbündeten des
Mossad gestellt,
den rechtsgerichteten Anhängern eines Mannes namens Licio
Gelli und seiner
inzwischen verbotenen Geheimloge mit dem Namen Propaganda 2
und einer zweiten
Gruppe, Gladio genannt (eine NATO-Gründung ähnlich der
in
Belgien).
Die Fahrer brachten ihre Wagen in
ein Lagerhallengebiet in Hamburg, wo sie von neuen Fahrern übernommen wurden,
diesmal von Israelis. Der Mossad nannte diese Fahrer OMI, die Abkürzung von Oved
Mekomy, was »ortsansässiger Arbeiter« heißt. Um ein OMI zu werden, muß man als
Student auf eigene Kosten in das betreffende Land gekommen sein, und man muß
wirklich ein Studium aufnehmen. Die Studenten wenden sich dann an die
israelische Botschaft, um nach Arbeit zu fragen, und wenn der Mossad gerade
Leute braucht, werden sie vom Shaback einem Sicherheitscheck unterworfen. Wenn
alles in Ordnung ist, können sie eingestellt werden, um untergeordnete
Tätigkeiten zu erledigen. Sie arbeiten als Fahrer oder werden als Bewohner von
sicheren Häusern eingesetzt. Von Hamburg aus fuhren die LKWs zu einem ehemaligen
Flughafen, zwanzig Minuten von Kiel entfernt. Ein Iraner, der in den USA
studiert und seinen Flugzeugingenieur gemacht hatte, kam dann aus Kiel angereist
und inspizierte die Ladung.
Wurde die Lieferung für gut befunden, wurde die Hälfte des
Geldes in bar auf dem Flughafen übergeben. Die zweite Hälfte wurde fällig,
sobald die Lieferung im Iran angekommen war. Die ganze Operation wurde in
Kooperation zwischen BND-Leuten auf mittlerer Ebene und dem
Mossad-Verbindungsmann in Bonn durchgeführt.
Zur Geschichte des Ganzen muß noch erwähnt werden, daß
Helmut Kohl einer Kooperation mit dem Mossad zur Bekämpfung des Terrorismus
einst zugestimmt hatte, weshalb die BND-Oberen (288) dem Mossad erlaubten, ihren
Stationen im Ausland unter die Arme zu greifen, und es als große
Freundschaftsgeste betrachteten, wenn der Mossad Seminare über Terrorismus
abhielt (die den BND-Leuten als Gästen des israelischen Geheimdienstes in Israel kostenlos geboten wurden).
Die
BND-Bosse wußten allerdings nicht, daß diese Seminare, die der Mossad in der
angenehmen Umgebung des Country Club abhielt, in Wirklichkeit gut geschmierte
Rekrutierungs-Operationen waren, die dem Mossad Hunderte, wenn nicht Tausende
von Staatsdienern aus den Vereinigten Staaten, wo sie vom Bnai Brith rekrutiert
wurden, oder aus den Geheimdiensten Dänemarks, Schwedens und
vieler anderer Länder Europas einbrachten.
Im
Geheimdienstbereich zählt vor allem die Fähigkeit zu beweisen, daß es einem
gelungen ist, einen terroristischen Angriff abzuwehren. Mit dieser Verheißung
manipulierte der Mossad die mittleren Chargen des BND zur Kooperation, indem man
sie wissen ließ, daß ihre Bosse zwar einverstanden wären, aber die Operation
nicht offiziell billigen könnten. Auch die Tatsache, daß der Mossad die
rückhaltlose Unterstützung der örtlichen Dienststellen des Verfassungsschutzes
hatte, war hilfreich, die BND-Leute zu überzeugen.
Die Transporte gingen reibungslos vonstatten, und lange
Zeit gab es keine Probleme. Von Deutschland fuhren die LKWs weiter nach
Dänemark, wo sie unter den wachsamen Blicken des dänischen Geheimdienstes und
ihres Verbindungsmannes zum Mossad, Paul Hensen Mozeh, auf dänische Schiffe
verladen wurden. Von dort ging die Fracht in den
Iran.
Irgendwann fragten die Iraner
ihren BND-Verbindungsmann, was man tun könnte, um iranische Piloten auszubilden,
am liebsten außerhalb des Kriegsgebietes. Mit dieser Frage wandte sich der
BND-Mann an den Mossad-Kontakt. Zuerst kam der Vorschlag auf den Tisch, das
Training in Südamerika durchzuführen, entweder in Chile oder in Kolumbien, wo
der Mossad sowohl die notwendigen Flugfelder als auch die Genehmigung für solche
Operationen erhalten könnte. Aber die Nachbarschaft zu amerikanischen
Aktivitäten in jener Hemisphäre ließ den Mossad
umdenken.
Nachdem der Mossad und der BND
Experten der israelischen Luftwaffe zu Rate gezogen und von den Iranern weitere
Informationen erhalten hatte, etwa über den Ausbildungsstand ihrer Piloten
(289), entschloß man sich, daß der größte Teil der Ausbildung an Simulatoren und
deshalb in Deutschland stattfinden könnte. Es wurde vorgeschlagen, daß derselbe
Flugplatz mit seinen großen verlassenen Hangars, der für die Kontrolle der
Ersatzteile benutzt wurde, auch dafür dienen könnte, die fünf Simulatoren
mitsamt dem notwendigen Material aufzunehmen. Die Iraner mußten die Simulatoren
kaufen und auch die gesamte Installation sowie alle sonstigen Ausgaben bezahlen
und natürlich auch für das eigentliche Training finanziell
aufkommen.
Man kam zu dem Schluß, daß ein
Team von zumindest zwanzig Israelis bereitstehen müßte, um die iranischen
Piloten auszubilden und zu trainieren. Die Israelis sollten getrennt in Kiel und
Hamburg leben, während die iranischen Piloten (die, wie die Deutschen
fürchteten, Aufmerksamkeit wecken könnten) auf dem Flughafen untergebracht werden sollten.
Der
BND-Kontaktmann arbeitete jetzt direkt mit dem Mossad-Verbindungsmann in Bonn
zusammen, der seine Informationen an die geheime Mossad-Station in der Bonner
Botschaft weiterleitete. Die Deutschen sagten, daß zur Sicherheit und für den
glatten Verlauf der Operation der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein in
das Geheimnis eingeweiht werden müßte. Sein Name war Uwe Barschel, er zählte zu
den engen Freunden von Helmut Kohl. Um sich seine Unterstützung zu sichern, kam
man überein, daß der BND seinen Einfluß geltend machen würde, um Bundesgelder
für eine krisengeschüttelte Kieler Werft lockerzumachen, wofür
Barschel dann die
Lorbeeren einheimsen könnte. Außerdem ging es um
einen großen internationalen Flughafen in der Region. Und man versprach noch
verschiedene andere Dinge, die weder für den Mossad noch für Ran von Interesse
waren, der jetzt die Operation leitete.
Als ich den Mossad verließ, war das Training der Piloten
voll im Gange. Außer den Simulatoren gab es noch einige umgebaute Cessnas, an
denen die Piloten auf einem anderen Flugfeld, fünfundvierzig Minuten von Kiel
entfernt, ausgebildet wurden. Ich kann mich noch gut entsinnen, wie Ran damals zum Star
aufstieg.
Ephraim
erzählte mir, was danach passierte. Ihm zufolge (und ergänzenden Details, die
zum Ärger von Eli von Uri beigesteuert (290) wurden, stellte Ran irgendwann im
März 1987 fest, daß am Horizont Gewitterwolken auf zogen.
Es gab im Mossad und bei den
rechten Elementen in der Regierung zunehmende Unzufriedenheit über das Verhalten
von Kanzler Helmut Kohl, der direkten israelischen Warnungen bezüglich seiner
Beziehung zum österreichischen Politiker Kurt Waldheim, den man scheinbar als
Nazi entlarvt hatte, trotzte. (Die »Entlarvung« war von einer Al-Einheit
vorbereitet worden, die in das UNO-Gebäude an der Park
Avenue in New York
eingedrungen war und verschiedene belastende Dokumente,
die anderen Akten
entnommen worden waren, in die Akte von
Waldheim - und einiger anderer Personen - geschmuggelt hatte. Die gefälschten
Dokumente wurden dann von dem israelischen Botschafter bei der UNO Benjamin
Netanyahu, »entdeckt«. Das war Teil einer Diffamierungskampagne gegen Waldheim,
der den israelischen Aktivitäten im südlichen Libanon kritisch gegenüberstand.)
Kohl wischte die israelischen Drohungen als Nonsens beiseite und verursachte
damit Wutausbrüche in israelischen Geheimdienstkreisen, wo er als Klutz mit
einem großen Maul und schlechter Kinderstube beschimpft wurde.
Sorge bereitete der Mossad-Führung
auch eine plötzliche politische Krise in Dänemark. Der dänische Geheimdienst
bekam kalte Füße und bat darum, die Waffenlieferungen über Dänemark zeitweilig
zu stoppen, bis man wüßte, wie
sich die neue politische Situation im Land gestalten würde.
Der BND fragte
nun bei Uwe Barschel um Erlaubnis an, die Häfen in Schleswig-Holstein für die
Überführung der Waffen in den Iran benutzen zu dürfen. Barschel lehnte ab. Der
Mossad hatte es nicht für notwendig erachtet, Barschel deswegen anzugehen. Der
BND wußte allerdings nicht, daß der Mossad sich schon die Kooperation des
Verfassungsschutzes gesichert hatte. Deshalb kam es dazu, daß der BND an
Barschel herantrat und ihm einiges mehr erzählte, als nötig war. Doch der BND
hatte Barschels Festigkeit in dieser Angelegenheit falsch eingeschätzt. Als
Barschel ablehnte, gerieten alle in Panik. Sie erkannten,
daß Barschel für sie zu
einer Bedrohung werden könnte, wenn er sich dazu
entschließen würde, Helmut
Kohl über all diese Vorgänge zu
informieren.
Es war sehr
verführerisch, mehrere Fliegen mit einem Schlag (291) erledigen zu können: Der
Mossad hätte das Sagen bei der Kontrolle des neuen Politikers und könnte den BND
als Partner einführen. Man könnte einen Störenfried, nämlich Barschel,
eliminieren, der zwar kooperierte, aber nicht aus den richtigen Gründen. Er war
nicht wirklich gekauft, wie es der Mossad bei seinen Politikern gerne hatte,
sondern er nutzte die Situation nach Kräften, um, wie er meinte, das Beste für
seine Wählerschaft rauszuholen, und gleichzeitig sicherte er seine politische
Basis ab. Seine Beseitigung würde auch ein Schlag für Helmut Kohl sein, der
gerade eine Wahl gewonnen hatte und sich deshalb nun noch unangenehmer aufführen würde als in
der
Vergangenheit.
Ran begann also Verbindungen zur
Oppositionspartei zu knüpfen und kam in engen Kontakt mit einem ihrer Führer. Er
fühlte ihm auf den Zahn, ob er, für den Fall, daß er die Wahl gewänne, zur
Mitarbeit mit denen, die ihm geholfen hätten, bereit wäre und sich erkenntlich
zeigen würde. Jenem Oppositionspolitiker wurde bedeutet, daß der BND hinter
ihnen stehe und alles im besten Interesse Deutschlands geschehe. Die Antwort
übertraf alle Erwartungen Rans: Der Oppositionspolitiker [Engholm], der keine
Chance sah, die Wahl zu gewinnen, war zu jedem Versprechen bereit. Nachdem Ran
diesen Politiker sicher in der Tasche hatte, was ihn eine neue Pfeife und
etwas
Tabak kostete, war es an der Zeit, Barschel aus
der politischen Arena zu werfen.
Yoel, ein Einsatzoffizier von der Bonner Station, wurde zu
dieser Operation herangezogen. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, als Kanadier
mit deutschen Vorfahren aufzutreten, der sehr reich sei und nach Deutschland
zurückkehren wolle. Bevor er den entscheidenden Schritt machte, plante dieser
Kanadier angeblich, in Deutschland ein neues Unternehmen zu starten und mit dem
politischen Establishment bekannt zu werden, damit er seine Firma optimal
aufziehen und den größtmöglichen Vorteil aus seiner Rückkehr ziehen könnte. Ein
politischer Apparatschik [Pfeifer] in Barschels Partei, der von Ran und Yoel den
Spitznamen »Whistler« (englisch: »to whistle« = pfeifen) erhielt, wurde ihr
Zielobjekt. Ran lieferte der Mossad-Liaison eine Liste mir allen Leuten, die mit
Barschel zusammenarbeiteten und direkten Kontakt zu ihm hatten. Die Namen
sollten durch die Polizeicomputer in Kiel und Hamburg gejagt werden, um
herauszufinden, ob über irgendeinen von ihnen
(293) etwas Nachteiliges
bekannt war. Der Name von »Whistler« hatte einen
dunklen Fleck. Es stellte sich heraus, daß er der
Mißhandlung einer Hamburger Prostituierten beschuldigt worden war, aber da es
jemandem gelang, den Zuhälter auszuzahlen,
wurde die Akte ohne förmliche Anklage geschlossen.
Yoel wurde
»Whistler« durch einen Sayan vorgestellt, der »Whistler« laut seiner Mossad-Akte
kannte. Nach einigen Schmeicheleien sagte Yoel zu »Whistler«, daß er nach Kanada
zurückkehren müsse, und machte ihn mit Ran bekannt, der seinen Geschäftsberater
in Deutschland mimte. Falls »Whistler« in seiner Abwesenheit irgend etwas
benötige, könne er sich an Ran wenden, der autorisiert sei, ihm
zu helfen.
Einige Tage nach Yoels angeblicher
Abreise rief Ran »Whistler« an und verabredete ein Treffen, in dessen Verlauf er
ihm klarmachte, daß er »Whistlers« politische Richtung nicht schätze, sondern
die Opposition unterstütze. Ran erklärte ihm außerdem, daß er verpflichtet sei,
Yoels Interessen nach bestem Wissen zu vertreten, weshalb er auf eigene Faust
eine kleine Untersuchung vorgenommen habe. Dabei sei er auf den Zwischenfall mit
der Prostituierten gestoßen, was bedeute, daß »Whistlers « politische Karriere beendet sein dürfte, falls diese Tatsache an die
Öffentlichkeit
käme, und obendrein wären Yoels Investitionen auch
verloren. Er schlug ihm dann vor, daß er ihm beim Sturz Barschels helfen solle.
Ran war überrascht, mit welcher Begeisterung »Whistler« diesem Vorschlag
zustimmte. »Whistler« sagte klipp und klar, daß er kein Fan von Barschel sei und
alles tun würde, um ihn dranzukriegen.
Ran, der schon einen fertigen Plan in der Tasche hatte, um
Barschel abzusägen, ging die einzelnen Schritte mit dem Mann, den er gerade
rekrutiert hatte, bedächtig durch, um ihm das Gefühl zu geben, dieser wäre an
dem Planungsprozeß beteiligt. Auch sollte ihm das Gefühl von eigener Wichtigkeit
eingeflößt werden, unter anderem für den Fall, daß ihm die Schuld zugeschoben
werden mußte, falls etwas schiefging. Ihm wurde darüber hinaus gesagt, daß man
sich finanziell großzügig um ihn kümmern werde, falls diese Operation seine politische Zukunft gefährde. Ran gab
»Whistler« zu
verstehen, daß er zu einer Organisation nach Art der Mafia
gehöre und daß es
ausgeschlossen sei, daß er seine
Meinung (293) ändere oder Geschehenes ungeschehen machen könne. Auch dürfe er
über Ran kein einziges Wort verlieren.
Während dieser ganzen Zeit fütterte der Mossad den
Verfassungsschutz des Bundeslandes mit falschen Informationen über Barschels
angeblich geheimen Waffengeschäfte und sonstige illegale Transaktionen, an denen
sein Bruder beteiligt sei, quasi als Strohmann Barschels.
Der Plan wurde von Mousa
gutgeheißen, der für Operationssicherheit in Europa zuständig war und damals
auch als Chef für Europa fungierte. Bei dieser ganzen Sache hielt man den BND
draußen. Ran ließ »Whistler« falsche, aber sehr schädigende Informationen über
die Führer der Opposition im allgemeinen und den Spitzenmann der Opposition im
besonderen in der örtlichen Presse verbreiten, ohne die Quelle der Gerüchte
verlauten zu lassen oder aufzudecken, wer scheinbar nicht dichthielt. Als die
Wahlen näher rückten, wurden Mossad-Leute aus Belgien ins Land gebracht, um als
Privatdetektive aufzutreten, die anzuheuern Ran »Whistler« empfohlen hatte. Sie
agierten höchst auffallend, fuhren bei ihrer Überwachung teure Autos und
sammelten auf sehr amateurhafte Weise Material über den Oppositionsführer,
wodurch sie
natürlich die Aufmerksamkeit auf sich lenkten.
Die Sache wurde auf eine Weise
durchgezogen, daß höchstens ein Reporter der »Braille Times« nicht in der Lage
gewesen wäre, es als das zu erkennen, was es war: eine Schmutzkampagne. In der
letzten Minute, als Dementis von Barschel zu spät gewesen wären, um noch den
Wahlausgang zu beeinflussen, gab »Whistler« zu, daß er hinter den schmutzigen
Tricks stecken würde. Er gab an, daß er dazu von Barschel beauftragt worden sei,
wodurch er endgültig die Karriere eines Politikers beendete, der sich nicht
kooperativ zeigte, und einen Mann ans
Ruder brachte, der dazu bereit war.
Außerdem wurde Kohl dadurch in arge Bedrängnis gebracht.
Alle Proteste Barschels, daß er unschuldig sei, wurden als politische Rhetorik
beiseite gewischt. (294) ...
Ephraim erklärte, daß noch mehr an der Geschichte dran sei.
Er erzählte, daß nach seiner Niederlage bei den Wahlen (eine direkte Folge der
Kampagne, die Ran organisiert hatte) Barschel seine BND-Verbindung kontaktierte.
Er drohte, das Fehlverhalten des BND in vollem Umfang offenzulegen, wenn der BND
nicht alles tun würde, um seinen Namen reinzuwaschen. Der BND, der seine
Informationen vom Verfassungsschutz bezog - dieselben Informationen, die dieser
vom Mossad erhalten hatte -, zweifelte nicht daran, daß Barschel Dreck am Stecken hatte,
und bat den
Mossad um Hilfe.
Der Grund, warum der BND den
Mossad benutzen mußte, um mit dieser Situation fertig zu werden, bestand darin,
daß sich die Drohung Barschels gegen die mittleren Chargen des BND richtete.
Diese hielten entgegen den direkten Befehlen ihrer Vorgesetzten Kontakt mir dem
Mossad. Der BND konnte sich also nicht mit einem Hilfegesuch an seine
eigenen Leute wenden.
Der
BND-Kontaktmann sagte dem Mossad-Verbindungsoffizier, daß innerhalb weniger Tage
einige Anhörungen vor einem Untersuchungssausschuß stattfinden würden, und würde
Barschel vorher nicht Genüge getan, würde er auspacken. Der Zeitrahmen war zu
knapp für den Mossad, um die Operation auf den beiden Flugfeldern abzubrechen
und die israelischen Mannschaften mitsamt ihrem Material rechtzeitig
herauszuholen. Barschel mußte gestoppt werden, bevor er als Zeuge aussagen
konnte.
Der BND gab dem
Mossad-Verbindungsmann den Ort bekannt, an dem Barschel auf den Kanarischen
Inseln Urlaub machte, sowie seine Telefonnummer. Er wohnte in einem Haus, das
ihm von einem Freund zur Verfügung gestellt worden war.
Ran rief Barschel an. Beim ersten
Anruf meldete sich niemand. Eine Stunde später versuchte er es wieder, und
jemand antwortete, daß Barschel im Moment nicht erreichbar sei. Beim dritten
Versuch (295) hatte er Barschel am Apparat und sagte ihm, daß er Informationen
besitze, die helfen könnten, seinen Namen reinzuwaschen. Er
stellte sich als Robert Oleff vor.
Er bestand
darauf, daß Barschel nach Genf kommen solle. Er, Oleff, werde ihm am Flughafen
abholen. Barschel verlangte mehr Informationen, bevor er sich festlegte, und Ran
sagte, daß vielleicht einige interessante Iraner anwesend sein würden, die in
das Geschäft verwickelt seien. Das machte Barschel glauben, daß die
Angelegenheit seriös war. Der Mann am Telefon zeigte sich gut informiert,
Barschel war inverstanden, und sie legten die Details der Reise fest.
Das Kidon-Team, das direkt von
Brüssel geschickt worden war, wartete bereits in Genf. Nachdem es die Lage in
Genf genau untersucht hatte, kam es zu dem Ergebnis, daß das Hotel Beau-Rivage
am besten seinen Zwecken dienen würde. Ein Stück weiter gab es eine riesige
Baustelle. So etwas war immer gut, um das, was man in der Eile loswerden wollte,
verschwinden zu lassen. Zwei Einsatz-Paare quartierten sich im Hotel ein: das
eine im vierten Stock, nahe beim Ausgang zum Dach, und das andere, das am selben
Tag wie Barschel ankam, im dritten Stock neben dem Zimmer, das Ran für Barschel
reserviert hatte.
Die übrigen
Leute des Teams deckten das Umfeld ab und hielten sich in der Nähe auf, um
nötigenfalls eingreifen zu können. Ran traf Barschel in dessen Zimmer am
Nachmittag des 10. Oktober [1987]. Nachdem er eine Flasche Wein für den von ihm
mitgebrachten Käse bestellt hatte, machte er Barschel zuerst ein Angebot.
Barschel sollte überredet werden, seinen Sturz zu akzeptieren. Ran versprach
ihm, daß man ihn großzügig entschädigen werde. Er versuchte ihm zu suggerieren,
daß das, was er angeblich getan habe, im Bereich der Politik keine so große
Sache darstelle und daß es besser für ihn sei, die Dinge laufen zu lassen und
das Geld zu nehmen. Ran benutzte den üblichen Satz, den der Mossad so liebte, daß Geld
keine Rolle spiele.
Barschel war sehr ungehalten. Er bestand darauf, daß Ran
ihm die Beweise liefere, die seinen Namen reinwaschen könnten, oder zu
verschwinden. Er war nicht daran interessiert, einen Profit aus der Sache zu
schlagen, sondern er wollte es allen zeigen, die ihn verleumdet hatten.
(296)
Da wurde Ran klar, daß es keine
Möglichkeit gab, den Mann umzustimmen. Die Operation mußte in ihre zweite Phase
treten, was die Beseitigung dieses Mannes bedeutete. Er war jetzt zu einer
Gefahr für die Sicherheit der beteiligten Mossad-Leute geworden. Es gab aus
diesem Grund keine Notwendigkeit, die Zustimmung zu seiner Eliminierung
außerhalb des Mossad einzuholen. Das wäre bei einer Exekution aus politischen
Gründen der Fall gewesen; hier hätte der Premierminister seine Zustimmung geben
müssen. Ran wollte jedoch das Einverständnis des Mossad-Chefs haben, den man
ständig auf dem laufenden hielt und der am selben Tag wie Barschel nach Genf
gekommen war. Er wohnte im Hotel Des Bergues am Ende derselben Straße, in der
Barschel untergebracht war. Er hatte sich unter den Namen P.
Marshon
eingetragen.
Bis der Wein in Barschels Zimmer ankam, war er schon von
einem Kidon-Mitglied präpariert worden, entweder in der Küche oder auf dem Weg
nach oben. Andere Team-Mitglieder schafften in Vorbereitung auf den letzten Akt
Eisbeutel auf ihre Zimmer. Ran erzählte Barschel, daß es nur seine Absicht
gewesen sei, seine Standfestigkeit zu prüfen. Da er es offenbar mit einem
ehrenwerten Mann zu tun habe, wolle er ihm helfen. Barschel war immer noch
aufgebracht und weigerte sich weiterzureden, wenn Ran ihm nicht sofort einen Beweis liefern würde, daß er wirklich seinen Namen reinwaschen
könnte.
Ran rief den
Mossad-Verbindungsmann an, der in einem sicheren Haus wartete. Er bat ihn,
seinen BND-Kontaktmann anzurufen, der Barschel in seinem Hotelzimmer zurückrufen
solle, um ihm zu sagen, daß alles gutgehen würde. Der Verbindungsmann war darauf
vorbereitet, er hatte mit Ran im Vorfeld alle Optionen abgesprochen. Der
BND-Mann stand in Wartestellung bereit; er war schon im voraus angerufen worden
- unter dem Vorwand, etwas Wichtiges würde sich tun.
Einige Minuten später rief der BND-Mann Barschel an und
sagte ihm, daß man die Dinge zurechtrücken werde. Barschel entspannte sich und
trank von dem Wein. Ran täuschte Magenbeschwerden vor und lehnte ab; er nahm nur
etwas von seinem Käse zu
sich.
Ran wußte, daß Barschel in etwa einer Stunde ohnmächtig
werden würde, und wollte die direkte Zustimmung des Mossad-Chefs, um den Job zu
beenden. Er sagte Barschel, daß er einige (297) Papiere holen wolle, die ihn
entlasten würden, und daß er in einer Stunde wieder da sei.
Ran
traf den Mossad-Chef in dessen Hotelzimmer. Er gab ihm eine
kurze
Zusammenfassung des Vorgefallenen und sagte, daß Barschel innerhalb
weniger
Tage vor einem Untersuchungsausschuß aussagen werde, der Behauptungen
über
Unregelmäßigkeiten im Vorfeld der
Wahlen prüfen solle. Es gebe keine Möglichkeit, Barschel davon abzubringen, vor
diesem Gremium alles auszusagen, was er wußte. Ran konnte nicht garantieren, daß
alle Beweisstücke, die Israel belasteten, in der kurzen verbliebenen Zeit von
den Flugfeldern beseitigt wären. Das Risiko einer Entlarvung war für den Mossad
hier viel zu groß, und deswegen gab der Mossad-Chef sein Einverständnis, den
Mann zu eliminieren.
Ran rief
die zwei Männer im vierten Stock von Barschels Hotel an und gab ihnen grünes
Licht für die Operation. Sie warteten die Zeit ab, bis Barschel von dem Mittel
im Wein eingeschlafen war. Sie riefen außerdem noch bei ihm an, um
sicherzugehen, daß er nicht wach war. Dann drangen sie in sein Zimmer ein.
Barschel lag auf dem Boden rechts
neben dem Bett. Er war offenbar ohnmächtig geworden und aus dem Bett gefallen.
Das Team zog ein Plastiktuch über das Bett und legte den Bewußtlosen darauf, mit
den Beinen zum Kopfende, damit die nächsten Schritte einfacher wären. Ein
zusammengerolltes Handtuch wurde ihm unter den Nacken gelegt, als ob er eine
Mund-zu-Mund-Beatmung bekommen sollte. Fünf Leute befanden sich zu dem Zeitpunkt
im Raum. Vier kümmerten sich um das Opfer, und einer füllte die Badewanne mit
Wasser und Eis; das Geräusch würde jedes andere übertönen. Ein langer, gut
geölter Gummischlauch wurde dem schlafenden Mann in den Hals geschoben, langsam
und vorsichtig, um ihn nicht zu ersticken. Einer schob den Schlauch, während ihn
die anderen Männer für den Fall einer plötzlichen Konvulsion festhielten. Sie alle hatten so etwas
schon vorher gemacht.
Sobald der Schlauch den Magen erreicht hatte, brachten sie
am oberen Schlauchende einen kleinen Trichter an, durch den sie nun verschiedene
Pillen einführten, dazu ab und zu etwas Wasser, damit sie auch tatsächlich den Magen erreichten.
Danach wurden
dem Mann die Hosen heruntergezogen. Zwei Männer hielten seine Beine hoch, und ein Dritter
führte ihm rektal (298) Zäpfchen mit einem
starken Sedativ und einem fiebererzeugenden Mittel ein. Die
Hosen wurden ihm wieder hochgezogen, und die Leute warteten auf die Wirkung der
Medikamente; sie legten ihm ein Thermometer auf die Stirn, um seine Temperatur
zu beobachten.
Nach einer
Stunde hatte er hohes Fieber bekommen. Er wurde dann in das Eisbad gelegt. Der
Schock rief starke Körperzuckungen hervor. Der plötzliche Temperaturwechsel im
Verein mit der Wirkung der Medikamente erzeugte so etwas, was wie eine
Herzattacke aussah. Nach ein paar Minuten stellte das Team fest, daß er wirklich
tot war, und begann das Zimmer aufzuräumen, um keine Spuren zu hinterlassen. Sie
merkten, daß sie den Fehler gemacht hatten, dem Mann nicht die Kleider
auszuziehen, bevor sie ihn in die Wanne legten. Aber es war zu spät, das noch zu
ändern. Sie merkten auch, daß die Ersatzweinflasche, die sie mitgebracht hatten,
zwar ein Beaujolais war, aber nicht die richtige Marke, so daß sie keine Flasche
hatten, um sie dazulassen.
Die
Lage war gespannt. Sie hatten mehrere Stunden in dem Raum zugebracht, und einige
von ihnen waren mehrmals hinausgegangen und wiedergekommen. Daß sie neben einer
toten oder sterbenden Person Wache hielten, wäre wohl kaum zu erklären gewesen.
Nachdem sie das Zimmer
verlassen und das Schild »Bitte nicht stören« angebracht hatten, ging jeder
seiner Wege. Zwei Leute verließen das Hotel noch am selben Abend, das zweite
Paar erst am folgenden Morgen. Die übrigen Mitglieder des Teams hatten die Stadt
schon in derselben Nacht mit dem Wagen verlassen und fuhren zurück nach Belgien
in die Sicherheit des Mossad-Hauptquartiers in Europa. Ran wurde informiert, daß
die Mission erfüllt war, ebenso der Mossad-Chef, dem ein Team-Mitglied ein
Polaroidfoto von dem Toten brachte.
Ende Kapitel 25
(Geheimakte
Mossad):
--------------------------------------------------------------------------
Der
Tod von Jürgen W. Möllemann
"Der Tod Möllemanns ist eine
Tragödie, die in der Geschichte der Bundesrepublik allenfalls mit dem tödlichen
Drama um den ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe
Barschel 1987 zu vergleichen ist. Denn Möllemann starb wie der Christdemokrat
Barschel auf dem Höhepunkt einer Affäre um Parteien, Macht, Intrigen und Geld.
Einer der besten Freunde Möllemanns mochte freilich nicht an Freitod glauben:
'Das ist keiner, der sich aus dem Leben stiehlt', sagte Uwe Tönningsen." (Der
Spiegel 24/2003, S. 36)
"Das
war kein Unfall. Einem Springer mit so viel Erfahrung wie Herr Möllemann,
passiert in solch einer Phase des Sprungs kein Fehler mehr - das ist definitiv."
Warum also sollte Jürgen W. Möllemann einen Freitod mit dem Fallschirm wählen,
also eine Sportart benutzen, der sein Leben, nicht sein Tod verschrieben hatte?
Noch dazu, wenn er keine ernsthafte juristische
Folgen zu erwarten hatte.
Nicht zu vergessen: Uwe Barschel
wurde vom israelischen Geheimdienst Mossad ermordet.* Der ehemalige Mossad-Agent
Victor Ostrovsky beschrieb ziemlich genau, warum und wie Uwe Barschel 1987 vom
israelischen Geheimdienst in Genf ermordet wurde. Barschel opponierte gegen
Israels Waffengeschäfte und militärische Operationen auf deutschem Boden und
drohte auszupacken. Mit dieser Drohung war Barschels Schicksal
besiegelt.
Jürgen W. Möllemann hatte sich
ebenfalls mit den jüdischen Machtzentren angelegt. Er gab der Judenführung in
Deutschland die Schuld am zunehmenden Antisemitismus und griff dabei besonders
den Populär-Juden, Michel Friedman, scharf an. Er nannte Friedman "gehässig".
Mehr noch, Möllemann war Vorsitzender der Deutsch-Arabischen Gesellschaft und
versuchte nach Kräften, die Verbrechen Israels im Nahen Osten öffentlich zu
machen. Er nannte Israel z.B. einen Terror-Staat und äußerte Verständnis für die
palästinensischen "Märtyrer", die sich in Israel immer wieder in die
Luft
sprengen und dabei Israelis mit in den Tod reißen.
Jürgen W. Möllemann wirkte wie ein
spitzer Stachel im Programm des "Zentralrats der Juden in Deutschland". In der
FDP war er zur Zeit der Auseinandersetzung mit dem Zentralrat stellvertretender
Parteivorsitzender und Vorsitzender des mächtigsten Landesverbandes (NRW) der
FDP. Mit seinen unverblümten Angriffen auf die jüdische Führungselite sorgte
Möllemann für eine differenzierte Wahrnehmung der deutschen Bevölkerung
gegenüber dem Judentum. Möllemann machte eine Anti-Haltung gegenüber dem
Zentralrat hof- und salonfähig, womit
er sich als Amalek selbst nominierte.
Möllemann ahnte etwas
"Gefährliches"
Der stern
berichtete über ein Interview mit Möllemann im November 2002: "Auf der Fahrt zu
seinem Haus schilderte er eine These, die er Monate später in seinem Buch
'Klartext' publik machte. FDP-Chef Westerwelle sei bei seinem Israel-Besuch im
Frühjahr vom Geheimdienst Mossad erpresst worden: Entweder er, Westerwelle,
stelle Möllemann politisch kalt, oder man werde peinliche Details aus dem
Privatleben des FDP-Vorsitzenden enthüllen. Und Geheimdienste, raunte Möllemann,
beim Aussteigen, seien nun mal unberechenbar." Der stern weiter: "Am Abend
dieses 23. November klingelte dann Jörges' (stern-Redakteur) Handy.
Möllemann ist dran. Man
solle die Bemerkung im Auto in Münster
'sehr ernst nehmen', sagte er mit schleppender Stimme. 'Es ist eine abstrakte Ahnung'. Es
stehe 'etwas sehr
Gefährliches' bevor. 'Wenn
etwas sehr Unvorhergesehenes passiert', solle sich der stern dieses Gesprächs erinnern."
National
Zeitung, 26, 20.6.2003, S. 4
Möllemann
wußte um seine Situation, denn er enthüllte, daß der Mossad seinen "politischen
Kopf" wollte: "In seinem neuen Buch 'Klartext', aus dem der stern in seiner
neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe Auszüge veröffentlicht, bezieht sich
Möllemann auf den Israel-Besuch Westerwelles im Mai 2002. Beim Warten auf eine
Audienz bei Ministerpräsident Ariel Scharon habe ein 'Mann ohne Namen' dem
Parteivorsitzenden 'in unmissverständlichen Worten knallhart gesagt, dass die
israelische Regierung meinen [Möllemanns] politischen Kopf verlange'.
Westerwelle habe später einen seiner kundigen Begleiter gefragt, wer das gewesen
sei, und habe zur Antwort erhalten: 'Der Mossad!'." (stern, Meldung
vom 10. März 2003)
Möllemann verlor am 5.
Juni 2003 nicht nur seinen "politischen" Kopf, sondern seinen wirklichen
obendrein. Zu denken gibt in diesem Zusammenhang der Aufwand, der um das
Ermittlungsverfahren gegen ihn betrieben wurde. Am Tag der Razzien wurde am
laufenden Band im Fernsehen über den Schlag gegen den wagemutigen Politiker
berichtet: "Mit einem martialischen 100-Mann Aufgebot und einem der größten
Polizeieinsätze gegen einen Politiker in der Geschichte der Republik, drängten
sie den früheren FDP-Politiker in die Rolle eines Staatsfeindes." (Die Welt,
7.6.2003, S. 2)
Es wurde berichtet, daß sogar Möllemanns Haus auf den
kanarischen Inseln auf
den Kopf gestellt worden sei. Der
Fernseh-Normalkonsument mußte den Eindruck
gewinnen, bei Möllemann handele es
sich um Osama bin-Laden und Adolf Hitler
in einer Person. Es wurde ein Bild über
ihn in den Medien gezeichnet, das bei jedermann den Schluß nahe legte, dieser
Mann mußte sich ja umbringen, "was der alles verbrochen
hat".
Die Wirklichkeit sieht aber anders
aus. Möllemann hatte gar nichts zu befürchten. Während die internationale
Groß-Razzia mediengerecht inszeniert wurde, "schlugen die Ermittler nach seinem
Tod plötzlich ungewöhnlich milde Töne an, als wollten sie Abbitte für ihre
letzten Verfolgungsmaßnahmen gegen den jäh verstorbenen leisten. ... Die
Staatsanwaltschaft Münster und eine der Anwältinnen Möllemanns -
Annette
Marberth-Kubicki - sagten gestern, noch kurz vor dem
letzten Sprung Möllemanns, habe es Gespräche über eine einvernehmliche
Beendigung des Strafverfahrens mit der Justiz gegeben. Die Staatsanwaltschaft
Münster habe an einen Strafbefehl gedacht, der dem Politiker eine öffentliche
Hauptverhandlung und einen Aufmarsch von Zeugen erspart hätte." (Die Welt,
7.6.2003, S. 2)
Andere hätten
die sogenannten Ermittlungen gegen Möllemann viel mehr zu fürchten gehabt als er
selbst. DIE WELT fragt: "Gibt es inzwischen beschlagnahmte Unterlagen, die ganz
andere Fährten für die Fahnder auftun?" (7.6.2003, S. 3) Warum also soll sich
Möllemann umgebracht haben? Somit ist Möllemanns Schicksal in der Tat mit dem
Schicksal Uwe Barschels zu vergleichen, wie DER SPIEGEL so treffend geschrieben
hat.
"Das war kein Unfall,"
erklärte eine Sportlerin vom "Verein für Fallschirmspringen Marl", die mit
Jürgen Möllemann sprang. (Die Welt, 7.6.2003, S. 2) Hätte Jürgen W. möllemann
Selbstmord verübt, hätte er die automatische Programmierung des
Auslösemechanismus für den Reservefallschirm nicht aktivieren dürfen. Denn wenn
der Hauptfallschirm aus technischen Gründen abgesprengt wurde bzw. abgesprengt
werden mußte, aber das Programm des Reserveschirms angeschaltet war, konnte es
Möllemann nicht mehr ausgeschaltet haben. Der Reserveschirm hätte sich
automatisch geöffnet. Die Springerin aus Marl zum Absturz ihres Kameraden
Möllemann: "Einem Springer mit so viel Erfahrung wie Herr Möllemann, passiert in solch einer
Phase des
Sprungs kein Fehler mehr - das ist
definitiv." (Die Welt, 7.6.2003, S. 2). Warum also sollte Jürgen W. Möllemann
einen Freitod mit dem Fallschirm wählen, also eine Sportart benutzen, der er
sein Leben, nicht seinen Tod verschrieben hatte? Noch dazu, wenn er keine
ernsthafte juristische Folgen zu erwarten hatte.
Jürgen Möllemanns Freund, der FDP-Fraktionsvorsitzender im
Kieler Landtag, Wolfgang Kubicki, sagte: "Für einen Selbstmord gibt es keinen
nachvollziehbaren Grund (...) Warum sollte er sich gerade jetzt umbringen? Er
hat es im November nicht getan, als klar wurde, dass seine Karriere in der FDP
zu Ende ist. Er hat es im März nicht getan, als er zum Parteiaustritt genötigt wurde." (NZ, 26, 20.6.2003, S.
3)
Der Tod Jürgen W. Möllemanns zeigt ganz bestimmte
Parallelen zum Mossad-Mord an Uwe Barschel auf. Erst stürzte Uwe Barschels
Privatflugzeug 1987 ab, doch Barschel überlebte wie durch ein Wunder - bevor er
kurze Zeit später in Genf ermordet wurde. Ähnliches wiederfuhr Möllemann: "Schon
am 16.August des vergangenen Jahres, also etwa vier Wochen vor der
Bundestagswahl, hat es bei einem Möllemann-Fallschirmabsprung einen Zwischenfall
gegeben.Damals (der Sprung erfolgte in Niedersachsen) riss aus heiterem Himmel
der Hauptschirm des Politikers. Möllemann wurde durch seinen Ersatzschirm
gerettet und der Fall nicht weiter untersucht. Ein Fehler Möllemanns? Ein
Anschlag? Ein Zufall? Ende Mai 1999 gab es zeitweise heftige Spekulationen über einen Mord-Anschlag auf Jürgen Möllemann. Eine
junge
Fallschirm-Kameradin Möllemanns war in Münster ums Leben gekommen,
nachdem
sich ihr Schirm nicht geöffnet hatte.
Die Mordkommission ermittelte: Der Hauptschirm war verdreht und das Stahlseil
des Reserveschirms durchtrennt worden. Außerdem hatte der Mörder die
automatische Sicherheitsvorkehrung für die Öffnung des Reserveschirms
fachmännisch zerstört. Der Schirm der jungen Frau ähnelte dem von Möllemann
sehr. Am 30. Mai 1999 stürzte die Frau dann ungebremst zu Boden und war sofort
tot. Es war Mord! Eine Verwechslung mit Möllemann, der hier auch immer sprang?
Die Ermittler präsentierten später einen verschmähten Liebhaber als Täter ...
Mord oder Selbstmord? Der österreichische 'Kurier' berichtet, dass Möllemann
'sich als Opfer einer von Israel aus gelenkten politischen Verschwörung' gesehen
habe: 'Parteichef Guido Westerwelle sei vom israelischen Mossad
erpresst worden, um ihn,
Möllemann, politisch kalt zu stellen'." (NZ 26,
20.6.2003, S. 4)
Selbst die
äußerst parteien- und geheimdienstloyale deutsche Justiz will sich nicht dazu
hergeben, Möllemanns Tod als hundertprozentigen Selbstmord auszugeben: "Laut
Polizei hatte Möllemann vor dem Absturz gegenüber Freunden und Bekannten in
keiner Weise eine Selbstmordabsicht erkennen lassen. Einige Zeugen hätten im
Gegenteil berichtet, dass der Politiker in sehr guter Verfassung gewesen sei.
... Möllemann löste den Hauptschirm in 1000 Meter Höhe selbst. Auch das
Sicherheitssystem, das den Reserveschirm spätestens in 225 Meter automatisch
öffnet, sei nicht eingeschaltet gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang
Reinicke nach
Abschluss der Ermittlungen. Laut einem
Gutachten der Bundesgrenzschutzeinheit GSG 9 sei das gesamte Fallschirmsystem
intakt gewesen, berichtete Reinicke. ... 'Die Frage Freitod oder Unglück bleibt
offen'." (Spiegel online, 9.7.2003)
Es läßt tief blicken, daß alle seine Feinde, also quasi der
gesamte Deutsche Bundestag, sozusagen mit dem Eintreffen der Todesnachricht,
eine Gedenkminute für den so gehaßten Kollegen einlegten. Auf ähnliche Weise
wurden die "Feinde des Sozialismus" in der ehemaligen Sowjet Union "geehrt",
nachdem sie erfolgreich ausgeschaltet worden waren. Auch ihnen wurden
Gedenkfeiern und herzzerreißende Reden der
Politbüro-Größen gewidmet.
Die Witwe des mutigen Politikers,
Carola Möllemann-Appelhoff, ließ über ihren Sprecher Hans Varnhagen am Telefon
ausrichten: "Die Partei hat eine Hetzjagd gegen Jürgen W. Möllemann
veranstaltet. ... Sie haben es geschafft, sie haben ihn fertig gemacht." (Die
Welt, 7.6.2003, S. 3.
Erinnern
wir uns an "Parteifreund" Guido Westerwelles Besuch in Israel, als der Mossad im
Auftrag der israelischen Regierung von ihm "den politischen Kopf Möllemanns
verlangte". Der Mossad und Israel wird nicht sehr unglücklich darüber sein, daß
am Ende nicht nur Möllemanns "politischer", sondern sogar sein "richtiger" Kopf "gefallen"
ist.
"Merkwürdig. Wenn ich mit dem Fallschirm abspringe, klatschen
die
immer alle - bis zu dem Moment, wo der Schirm aufgeht," pflegte Möllemann
in
letzter Zeit auf Wahlveranstaltungen immer zu sagen. (NZ 26, 20.6.2003,
S.
4)